Carl Unger, ein Pionier der Anthroposophie



Stacks Image 2507
Carl Unger war ein selbständiger Pionier der Anthroposophie und einer der bedeutendsten Schüler und Mitarbeiter Rudolf Steiners. Er forschte selbständig und «Schulter an Schulter» mit Rudolf Steiner an den Grundlagen der Geisteswissenschaft. In seinen Schriften und Aufsätzen analysierte er in aller Gründlichkeit den Erkenntnisakt im Allgemeinen und leistete dadurch wichtige und unschätzbare Beiträge zu Begründung der Wissenschaftlichkeit der anthroposophischen Geisteswissenschaft.
Am 4. Januar 1929 wollte Carl Unger In Nürnberg einen Vortrag mit dem Titel «Was ist Anthroposophie?» halten. Kurz vor Beginn des Vortrages wurde er von einem geistesgestörten Menschen (Wilhelm Krieger) durch drei Schüsse getötet. So wurde Carl Unger, der eigenständige Mitstreiter Rudolf Steiners in allen erkenntnistheoretischen Fragen, zum ersten «Märtyrer» der anthroposophischen Bewegung.

Carl Unger hat für mich in meinem anthroposophischen Forschen immer eine ganz besondere Bedeutung gehabt. Deshalb möchte ich neben Marie Steiner auch ihm auf meiner Website ein eigenes Kapitel widmen.

Die nachfolgenden zwei Zitate von Rudolf Steiner lassen erahnen, in welchem Verhältnis Carl Unger zu seinem Lehrer und Meister stand.
Rudolf Steiner über Carl Unger:

«Ich kann mich am meisten freuen über die selbständige Kraft, über die durchaus selbständige Art, wie hier eine Menschenpersönlichkeit aus sich heraus, frei, ohne sich unmittelbar nur an dasjenige zu halten, was ich selber aussprechen kann, die Sache aus sich heraus nach ihren eigenen Fähigkeiten begründet! Wer selbst selbständig wirken will, wird nichts freudiger, aufrichtiger begrüßen, als wenn eine selbständige Persönlichkeit neben ihm Schulter an Schulter steht und dasjenige gibt, was sie zu geben in der Lage ist, nachdem sie erkannt hat, dass es sich zum Ganzen fügen kann.»

Rudolf Steiner
«Von der Initiation»
Vortrag, München, 25. August 1912, GA 138

«Indem ich dies spreche, werden Sie empfinden, dass es eine große Wohltat ist, wenn gerade innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft Bestrebungen auftauchen, die in allerbestem (erkenntnistheoretischem) Sinne auf eine Ausarbeitung der erkenntnistheoretischen Prinzipien hinzielen. Und wenn wir gerade hier in Stuttgart einen Arbeiter auf diesem Gebiete von außerordentlicher Bedeutung haben (Dr. Unger), so ist das als eine wohltätige Strömung innerhalb unserer Bewegung zu betrachten. Denn diese Bewegung wird in ihren tiefsten Teilen nicht durch diejenigen ihre Geltung in der Welt erlangen, die nur die Tatsachen der höheren Welt hören wollen, sondern durch solche, welche die Geduld besitzen, in eine Gedankentechnik einzudringen, die einen realen Grund für ein wirklich gediegenes Arbeiten schafft, die ein Skelett schafft für das Arbeiten in der höheren Welt.»

Rudolf Steiner
«Philosophie und Anthroposophie» GA 35

Unter ‹Links zum Thema› (s. unten) findet sich eine Verknüpfung zu einer Kurzbiographie über Carl Unger von Renatas Ziegler.