Freiheit im Bildungswesen

– Freiheit und Wettbewerb oder staatliche Planwirtschaft?


«Nicht Forderungen und Programme sollen aufgestellt, sondern die Kindesnatur soll einfach beschrieben werden. Aus dem Wesen des werdenden Menschen heraus werden sich wie von selbst die Gesichtspunkte für die Erziehung ergeben.»

Rudolf Steiner, Berlin 1907

Planwirtschaft? – Pfui Teufel!

Wer wagt sich in unseren Kulturkreisen heutzutage noch eine Idee wie die Planwirtschaft einzufordern? Wissen wir doch alle, dass dieser Versuch kläglich gescheitert ist. Heute produziert der Fabrikant die Produkte, die der Kunde sich wünscht, wenngleich die Kundenbedürfnisse mit allen Mitteln der Werbekunst manipuliert werden. Die verbliebene Aufgabe für den Staat in diesem Produktions- und «Vermarktungsmarkt» ist es, die Regeln der Vermarktung wie z.B. die Qualitätskontrollen oder Verbraucherschutzbestimmungen festzulegen.

Was im Bereich der Wirtschaft inzwischen beinahe jedem politisch denkenden Menschen unserer westliche Welt zur Selbstverständlichkeit geworden ist, scheint auf den Bereich der Bildungspolitik angewendet offenbar den meisten Zeitgenossen noch völlig undenkbar.

So entscheiden noch heute Kultusminister, Bildungspolitiker oder ehemalige Lehrer in den Schulbehörden, die schon lange kein Klassenzimmer mehr betreten haben und den Schulalltag kaum kennen, planwirtschaftlich darüber, was und wie in unseren Schulen unterrichtet werden darf bzw. unterrichten werden muss. Eine Reform jagt die andere. Kaum eingeführt wird sie wieder rückgängig gemacht und von der nächsten Reform abgelöst:
  • Dreigliedriges Schulsystem, Gesamtschulen oder Gemeinschaftsschulen?
  • Ganztagesschulen
  • Rechtsstreit gegen Integrative Schule – verloren vor dem Verwaltungsgericht – danach plötzlich Inklusion für alle!
  • Abschaffung der teuren Sonderschulen – dann aber doch nicht ganz, da auch die Alternative nicht wirklich billiger ist!
  • G 9 – dann G 8 statt G 9 – dann G 8 oder G 9 – oder wie denn nun?
  • Oberstufe mit stärkerer Grundbildung und weniger Spezialisierung.
  • Abwählbare – dann wieder nicht abwählbare Kern- und Prüfungsfächer!
  • VAB statt BVJ - ein wirklich neuer Weg zur Ausbildungsreife?
Die Liste der Schulreformen und Schulreförmchen könnte fast endlos fortgesetzt werden.

Hätte man den Mut, die Planwirtschaft in der Bildungslandschaft abzuschaffen und durch eine «Freie Bildungs- und Schullandschaft» ohne Lehrer-Beamtentum zu ersetzt, so würden sich sehr viele Probleme ganz von alleine lösen. Auf den folgenden Seiten möchte ich mögliche Antworten und Wege aufzeigen, die zu einem «Freien Schulwesen» führen können, welches hoffentlich eines Tages genauso selbstverständlich sein wird wie die «Freie Marktwirtschaft».
«Die öffentliche Pflege des Geisteslebens in Erziehung und Schule ist in der neueren Zeit immer mehr zur Staatssache geworden. Dass das Schulwesen eine vom Staat zu besorgende Angelegenheit sei, wurzelt gegenwärtig so tief im Bewusstsein der Menschen, dass, wer an diesem Urteil rütteln zu müssen vermeint, als ein weltfremder «Ideologe» angesehen wird. Und doch liegt gerade auf diesem Lebensgebiete etwas vor, das der allerernstesten Erwägung bedarf. Denn diejenigen, die in der angedeuteten Art über «Weltfremdheit» denken, ahnen gar nicht, welch eine weltfremde Sache sie selbst verteidigen.»


R. Steiner: «Freie Schule und Dreigliederung»

Weiter auf der Unterseite: Der Bildungsgutschein
«Aber wir wünschen nicht, dass man möglichst viele Winkelschulen nach dem Muster der Waldorfschule errichtet. Sondern was wir wollen ist, dass in weitesten Kreisen auf internationalem Gebiete die Einsicht entsteht: Man muss den alten Zopf bekämpfen, der auf staatlicher Grundlage das Schulwesen aufbauen will! Man muss danach streben, es zu erzwingen, dass das freie Geistesleben seine vollberechtigte freie Schule schaffen kann!»

Rudolf Steiner,
«Erziehung zum Leben, Selbsterziehung und pädagogische Praxis»
Amsterdam, 28. Februar 1921